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Facebook Places vs. aka-aki

Social Networks in the Streets
(von Tanja Neumann)

Am 5. Oktober 2010 ging Facebook Places an den Start, ein Service, der Usern in den USA bereits seit August angeboten wurde. Facebook-User mit GPS-fähigem Handy haben seitdem die Möglichkeit, ihren Aufenthaltsort zu posten. Am einfachsten ist dies mittels Geräten, die über eine eigene Facebook-Application verfügen, wie etwa iPhone und Blackberry. Alle anderen können die Seite touch.facebook.com nutzen. Einmal an einem Ort eingeloggt, kann man Facebook-Freunde, die mit von der Partie sind, taggen oder auch schauen, ob andere bereits vor Ort sind.

Facebook Places
und der Datenschutz.

Location-based Services, deren User ihre Position übermitteln und somit auf Daten bezüglich Angeboten in ihrer Umgebung zugreifen können, sind im Web 2.0 keine Seltenheit mehr. Nahezu immer ziehen sie die Kritik von Datenschützern auf sich; so auch im Falle von Facebook Places. Der Dienst ist zunächst grundsätzlich deaktiviert – Mitglieder, die ihn nutzen möchten, müssen ihn aktiv freischalten. Selbst danach kann nur getagged werden, wer auch dies aktiv erlaubt. Erst wenn diese Einstellung vorgenommen würde, könnte man theoretisch in Verlegenheit gebracht werden, indem man an einem Ort eingeloggt wird, an dem man sich vielleicht gerade nicht befinden sollte.

Doch welchen Nutzen hat Facebook Places? Laut Betreibergesellschaft erhöht es die Chancen, Bekannte zu treffen, die sich in der Nähe aufhalten. Dass man sich gerade bei größeren Veranstaltungen oft verpasst, ist allgemein bekannt. Welchen Vorteil Places jedoch gegenüber einem Statusupdate, das auf die aktuelle Beschäftigung hinweist, haben soll, bleibt unklar. Denn der Dienst verrät nicht die exakte Position, sondern nur in der Datenbank gespeicherte Orte, wie z.B. die Namen von Shops, Institutionen etc.

aka-aki das Social Network
von Studenten erdacht.

Eine effektivere Form, Begegnungen zu fördern, stellen Proximity-based Services dar, bei denen es nicht um die geographische Position, sondern um die Entfernung zwischen zwei Geräten geht. Ein solches Proximity-based Social Network ist aka-aki.
Es ist aus dem Diplomprojekt der Gründer Stefanie Hoffmann, Gabriel Yoran, Roman Hänsler, Bastian, Florian, Anja, Felix und Lukas an der Universität der Künste Berlin entstanden. Seit April 2008 ist das Netzwerk für alle zugänglich.

Wie andere Social Networks verfügt auch aka-aki über eine Internet-Plattform, auf der registrierte User Profile anlegen und Nachrichten austauschen können. Um aktiv teilnehmen zu können, müssen sie die Software jedoch auch auf ihrem Mobiltelefon installieren.

aka-aki macht nicht die geographische Position seiner User öffentlich, und es liefert ihnen auch keine Daten über den physikalischen Raum, der sie umgibt. Es ist also kein Location-based Service. Jedoch erkennt die Software, wenn ein anderer aka-aki-User sich in räumlicher Nähe aufhält und zeigt dies an – befindet er sich in unmittelbarer Nähe, erklingt ein Signalton.

Bei aka-aki geht es nicht wie bei anderen Social Networks darum, mit Bekannten in Kontakt zu bleiben, sondern Leute kennenzulernen, die sich in der Nähe aufhalten. Man kann sich eine Liste anderer Mitglieder anzeigen lassen, welche sich „im Umkreis“ befinden. Sie wird sortiert nach dem Maß an Übereinstimmung mit dem eigenen Profil.

Bei aka-aki geht es
anonymer zu als in
anderen Social Networks.

Die Auswahl der Profildaten (Geschlecht/Alter/sexuelle Orientierung) in Kombination mit der Tatsache, dass man mittels aka-aki die Möglichkeit hat, Menschen in der Umgebung auszumachen, die in ähnlicher Stimmung sind, legt die Nutzung als Dating-Plattform nahe. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Verwendung eine der Verbreitetsten ist, da sich auch die Profile der meisten Mitglieder mit dem Themenfeld der Partnersuche – fürs Leben oder für die nächsten Minuten – zu befassen scheinen. Dafür spricht auch, dass es bei aka-aki anonymer zugeht als in anderen Social Networks – so meldet man sich mit einem Pseudonym an, die Betreiber raten ausdrücklich von der Verwendung des eigenen Namens ab. „Generell ist es nicht zu empfehlen, seinen echten Namen, die Anschrift, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen in seinem Profil zu veröffentlichen.“

Wer mit wildfremden
in Kontakt treten möchte,
ist bei aka-aki richtig.

Dass aka-aki nur begrenzt Beachtung gefunden hat, lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Zunächst ist die Zahl der Nutzer so klein, dass Begegnungen nicht in allen Gebieten Deutschlands wahrscheinlich sind. Zweitens ist es nicht im Sinne eines Jeden, mit Fremden in Kontakt zu treten oder ihnen Informationen über die eigene Person mitzuteilen. Bei meinem Selbstversuch widerstrebte mir dies gelegentlich – umso stärker, je näher die anderen mir waren. Denn schließlich kann man nicht davon ausgehen, dass User, die sich begegnen, sich auch sympathisch sind. Die Konsequenz daraus war und ist, dass ich zumeist die „tarnkappe“ trage und somit für andere unsichtbar bin. Der Dienst ist also nur für Menschen geeignet, die aktiv den Kontakt zu bisher Unbekannten suchen.

Die Nutzung von Facebook Places scheint – mir persönlich – einen geringeren Eingriff in die Privatsphäre zu erfordern. Schließlich ist es möglich, die eigene Position nur für Freunde sichtbar zu machen, und dies auch nicht kontinuierlich, sondern nur punktuell und wenn man den Wunsch dazu verspürt.

Zur Person: Tanja Neumann

Weiterführende Links:
Facebook Website
aki-aki Blog
aka-aki Website


3 Kommentare

  1. Tocki sagt:

    Ersteinmal: herzlichen Glückwunsch zum ersten Gast-Artikel!

    Dann: als E-Plus Kunde habe ich schon vor einiger Zeit von aka-aki gehört und war zwar immer neugierig, hab es aber nie ausprobiert. nachdem ich dann (fast notgedrungen) zu Foursquare bin will ich da eigentlich nicht weg. Auch Facebook Places empfinde ich nicht als Konkurrenz für Foursqare.

    Als Shop-Betreiber oder Cafe wird aber eine Facebook-Places-Seite eine gute Alternative oder Erweiterung zur Homepage sein.

  2. Gabriel sagt:

    Danke für den schönen Artikel, aber auf ein wichtiges Detail möchte ich noch hinweisen: Bei aka-aki müssen die Mitglieder keineswegs ihren (relativen) Aufenthaltsort mit allen anderen Mitgliedern teilen. Man kann auch einstellen, dass nur Freunde sehen können, ob man in der Näher ist.

    Grüße!
    Gabriel

  3. Hallo Gabriel,
    vielen Dank für Deine Anmerkung ich gebe das gern weiter.
    Gruß Michael

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